Illenau

Die Illenau ist ein markantes Gebäude in Achern in Baden. Es war ursprünglich als Heil- und Pflegeanstalt konzipiert und wurde 1842 erbaut. Initiator dieser Irrenanstalt war der badische Arzt Christian Friedrich Wilhelm Roller. Die Anstalt war bis 1940 in Betrieb und wurde dann von den Nationalsozialisten im Rahmen der Aktion T4 aufgelöst und als Reichsschule für Volksdeutsche verwendet.

Aktion T4 ist eine nach 1945 gebräuchlich gewordene Bezeichnung für die systematische Ermordung von mehr als 70.000 Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen in Deutschland von 1940 bis 1941 unter Leitung der Zentraldienststelle T4. Diese Ermordungen waren Teil der Krankenmorde in der Zeit des Nationalsozialismus, denen bis 1945 über 200.000 Menschen zum Opfer fielen.

Neben rassenhygienischen Vorstellungen der Eugenik sind kriegswirtschaftliche Erwägungen während des Zweiten Weltkrieges zur Begründung der „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ herangezogen worden. Gleichzeitig mit ersten kirchlichen Protesten wurden die Tötungen nach „Leerung“ ganzer Anstaltsteile von „Heil- und Pflegeanstalten“ (vor 1934 gewöhnliche Bezeichnung: „Irrenanstalt“) seit 1942 nicht mehr zentral, sondern weniger offensichtlich und dezentral fortgesetzt.[1]

„T4“ ist die Abkürzung für die Adresse der damaligen Zentraldienststelle T4 in Berlin: Tiergartenstraße 4. Zu Beginn der Aktion befand sich die Dienststelle im Columbushaus.[2]

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Anlage bis 1994 Kaserne für die französischen Streitkräfte, nach einigen Umbaumaßnahmen nutzt die Stadt Achern die Gebäude nun als Rathaus.

Der Illenauer Waldfriedhof

Viele Ärzte, Pfleger und Pflegerinnen der ehemals Großherzoglich Badischen Landesirrenanstalt liegen auf dem Illenauer Waldfriedhof begraben, der im Jahre 1859 gegründet wurde und heute unter Denkmalschutz steht. Er liegt in einem kleinen Wald nahe der Anstalt, enthält eine Auswahl an seltenen, zum Teil fremdländischen Bäumen und ist von einem hohen Zaun umgeben. Den Eingang schmückt ein großes, kunstvoll geschmiedetes Eisentor. Das erste, was der Besucher zu sehen bekommt, ist eine mächtige Statue von Bertel Thorvaldsen, halb von Bäumen verdeckt, hinter einem großen Blumenbeet. Sie stellt den die Arme ausbreitenden Christus dar, der uns willkommen heißt. Der linke Weg führt vorbei an efeubewachsenen Gräbern zu ein paar Stufen, die hinaufführen zu einer Art Gräbergalerie. Die Gräber unterscheiden sich in Größe und Ausstattung. Die reichen Patienten der ersten Klasse haben prachtvolle Gräber mit Skulpturen erlesener Schönheit, liebevollen Inschriften und Einfriedungen kunstvoller Schmiedewerke. An die Mittellosen, die hier bestattet wurden, erinnern nur einfache Holzkreuze mit deren Namen, und selbst diese verblassten mit der Zeit bis zur Unkenntlichkeit. Es liegen Namenlose neben Adligen, Ärzte neben einem Hofschauspieler oder einem Hofmusikus und Pfleger neben einem Marschall oder einem russischen Offizier.

Erstelle deine Website auf WordPress.com
Jetzt starten
%d Bloggern gefällt das: